Bernd Weingart, Projects

Im Tal der K├Ânige
Triptychon - Gotha, 1990
Gelatin silver print 30 x 40 cm (Multiple toning)
Edition: 1/1 (Unikat)

Im Tal der Könige

Am Anfang war die Welt leer, kalt und unerreichbar. So hat Bernd Weingart sie erlebt. Ort: Ein kleiner Hügel bei Gotha, auf den er immer gestiegen ist, wenn er sehr traurig war oder Ideen hatte und wusste, dass er sie (in der ehemaligen DDR) nicht realisieren konnte. Das besondere an diesem Hügel: es war eine riesige Müllkippe.4

Ein dunkler Nachmittag, riesige düstere Wolken näherten sich, es begann lange zu regnen, der Boden wurde aufgeweicht, und er sackte ein in diesem Schlamm, in diesem Dreck - in dem Augenblick machte Bernd Weingart drei Photos, in denen die ganze Stimmung dieses trostlos-melancholischen Nachmittags ausgedrückt ist, und er wußte, daß in diesen drei Bildern all das, was er erlebt hatte, enthalten war: einerseits das Nichts um ihn herum und andererseits seine Träume.

Zu Hause im Labor überlegte er, was er aus diesen drei Photos machen könnte, aus den Wolken mit dem Nichts darunter. Er hat dann experimentiert mit graphischen Figuren, bis ihm in allen drei Bildern ein Dreieck auffiel, eine Pyramide, und da wußte er, was passiert war: Er hatte ins Tal der Könige geschaut. Und so hat er das Bilder-Triptychon auch genannt: »Im Tal der Könige«. In dem Moment war er frei geworden, hatte begriffen, daß er lebte und glücklich zu sein vermochte, obwohl er eingesperrt war in diesem Land. In diesem Tal der Könige konnte er selbst bestimmen, was er träumen und von seinen Träumen realisieren wollte, dort erlangte er zum ersten Mal eine sinnliche Gewißheit seiner selbst, in diesem Tal der Könige, in dem er seine Phantasien leben konnte, obwohl um dieses Tal herum nichts war außer Dreck.5

- Christian Linder

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