Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 002, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 001, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 010, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 009, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 007, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 008, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Bernd Weingart, Projects

Die Spiegel des Labyrinths
No. 020, Berlin, 1999
Gelatin silver print 12 x 18 cm
I. Edition: 1/1

Die Spiegel des Labyrinths

 

Indem uns Weingart das Geheimnis der Details und der Augenblicke, aus denen sowohl die Erinnerung als auch die Erwartung ihre Energie holt, ahnen lässt, arbeitet er an einer Entzauberung der Welt, aber nicht, indem er diesen Zauber zerstören will, sondern er möchte ihn befreien und erlösen dadurch, dass er uns diesen Zauber verständlich macht und wir ihn sehen können, gespiegelt in einer Strasse an einem stillen Sonntagmorgen oder in den Spiegeln des Labyrinths der Welt und unseres Lebens.

In allen Spiegelungen der Welt, die die Bilder Bernd Weingarts vorführen, ist einer nicht zu sehen: Bernd Weingart. Dieser Fotograf macht sich ein Bild vom Menschen und von der Welt, ohne darauf zu achten, ob er selbst in dem Bild ist. Das ist der persönlichste Ausdruck, sozusagen der Ausdruck seiner eigenen Liebe zu sich selbst, den seine Bilder offenbaren. Denn er weiss, dass er auch gar nicht in dem Bild sein darf, weil er sich sonst nicht dem Bild gegenüberstellen kann. Aber indem er das Bild macht, ist es zugleich auch ein Bewusstseins-Porträt von ihm. Er macht sich sich selbst anschaulich, indem er nicht auf sich schaut, sondern auf die Welt und auf die Anderen. Und wenn wir diesen Blick nachvollziehen, indem wir die Bilder Bernd Weingarts betrachten, dann wissen wir, dass die Zeit, die in einem Bild vorkommt, in dem Moment, wo wir es wahrnehmen, auch unsere eigene Lebenszeit bedeutet, oder wir wissen, dass zu der Zeit, wo ein Bild gemacht worden ist, auch anderes passiert ist. Und geht es nicht darum, bereit zu sein, mit dem etwas anzufangen, was am Anfang steht, was einfach materiell da ist, und sei es das Erlebnis der eigenen Undeutlichkeit und äusserlich nichts als Müll und Dreck? Alles hat als ein Zufall angefangen? Ja, aber man musste da nun einen Sinn hineinbringen. Doch dass man das Subjekt seines Lebens ist und nicht alles einfach Zufall ist, das wissen wir, wenn wir durch die Bilder hindurchsehen auf die Welt und schauen, wie wir sie eingerichtet haben und wie wir in ihr mit uns umgehen, mit uns und mit den Dingen. Bernd Weingarts Bilder sind keine Blick-Vergewaltigungen, sondern sie erzählen uns etwas von der Freiheit, uns der Welt zuwenden, aber auch von ihr abwenden zu können.4

- Christian Linder