Origo

Ursprung und Selbstverständnis des Werks

Origo markiert den inneren Ausgangspunkt von Bernd Weingarts künstlerischer Praxis: jenen Moment, in dem die sichtbare Welt nicht nur betrachtet wird, sondern selbst in Erscheinung tritt - als Resonanzfeld aus Licht, Zeit und Atmosphäre. Alle Serien kreisen um die Frage, wann die Welt im Moment des Sehens eine neue Gestalt gewinnt. Hier verdichten sich die theoretischen, ästhetischen und poetischen Grundlagen seines Werkes zu einer kohärenten Position, die Erscheinung nicht als Abbild, sondern als dialogische Beziehung versteht. Die flüchtige Vielheit des Augenblicks will wahrgenommen, gespürt und in Signaturen des Augenblicks erfahrbar werden.

Origo bündelt die ästhetischen und theoretischen Grundlagen seines Werkes und formuliert sie als Haltung des Sehens. Im Zentrum stehen Licht, Zeit und Atmosphäre als Bedingungen eines Sehens, in dem Erscheinung zur Beziehung wird.

Blick über Delft, Fig. 1/3
Blick über Delft
Fig. 1/3
Lemusichs Garten – Voluptas et Dulcedo Sapientum, Nr. 9/1
Lemusichs Garten
Voluptas et Dulcedo Sapientum
Nr. 9/1
Ode an den Heimweg, Nr. 2
Ode
an den Heimweg
Nr. 2

Künstlerisches Profil

Weingart versteht seine Arbeit als feldhafte Resonanz: Wahrnehmung ist kein registrierender Akt, sondern ein dialogisches Geschehen, in dem die Welt den Blick erwidert. Serienhafte Arbeit erlaubt die Erforschung von Licht, Zeit und Atmosphäre und die Sichtbarmachung feiner Übergänge. Gegensätze - Geist und Materie, Freiheit und Bedingtheit, Bewegung und Stille - treten ko-präsent auf. Das Ziel ist, Momente der Einmaligkeit und Intensität erfahrbar zu machen, ohne sie zu nivellieren.

Credo

Meine Kunst beginnt im Moment des Erscheinens - dort, wo Wahrnehmung, Licht und Zeit sich zu einer Erfahrung verdichten, die sich nicht vollständig erklären lässt. In diesen Augenblicken entstehen Signaturen des Augenblicks: Konstellationen, in denen diese Bedingungen eine einmalige Gestalt annehmen.

Der künstlerische Prozess ist dabei weniger ein Machen als ein Geschehenlassen. In seriellen Arbeiten entstehen Bildfelder, in denen Erscheinung als Beziehung erfahrbar wird. Die Arbeiten öffnen Resonanzräume, in denen Welt und Wahrnehmung einander begegnen, sich verschieben und neu konfigurieren.

Werk-Narrativ

Weingarts Werk entfaltet sich entlang einer zentralen Bewegung: der Durchlässigkeit der Erscheinung. Serien wie Flüstergewölbe, Nachtstücke, Oden oder Blick über Delft erkunden Momente, in denen die Welt den Blick erwidert. Licht, Zeit und Atmosphäre verdichten sich zu poetischen Resonanzräumen, in denen die flüchtige Vielheit der Erfahrung sichtbar wird. Das Werk formuliert einen Gegenentwurf zu flüchtiger Wahrnehmung und insistiert auf radikaler Aufmerksamkeit, in der Signaturen, Möglichkeiten und Gegensätze des Seins zusammenklingen.

Kurzbiografie

Bernd Weingart, geboren 1965 in der DDR, lebt und arbeitet in Berlin. Aufgewachsen in einem Umfeld von Buch, Bild und Materialität, entwickelte er früh ein sensibles Verhältnis zu Licht, Form und Atmosphäre. Seine künstlerische Praxis versteht Wahrnehmung als Resonanz - als Moment, in dem die Welt den Blick erwidert. In seriell angelegten Arbeiten erforscht Weingart die flüchtigen Augenblicke, in denen Licht, Zeit und Erfahrung zu einer eigenen Ordnung der Erscheinung finden.